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01.10.2016

Das Alter hat schöne Tag!

"Lebensqualität und Zufriedenheit sind durch nichts zu ersetzen" - ein Interview mit Angelika Hausenbiegl

Frau Hausenbiegl, zunächst recht herzlichen Dank dafür, dass sie bereit sind, unser „Haus Stefanie“ zu leiten, aber auch sich selbst im Rahmen dieses Interviews vorzustellen. Was sollten (dürfen) wir über Sie wissen?

Seit sehr vielen Jahren besteht mein Interesse darin, die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit der Bewohner in Alteneinrichtungen zu steigern. Aus diesem Grund richteten sich meine Ausbildungen, Interessen und das Sammeln von Erfahrungen in den letzten 20 Jahren bewusst auf das Wohnen im Alter aus. Einige Jahre lang habe ich bei Forschungsprojekten zum Thema „Lebensqualität im Pflegeheim“ mitgewirkt. Die Studien wurden über ZENTAS (Zentrum für Soziales und Generationen – NÖ Landesakademie) und WISDOM (Wiener Institut für sozialwissenschaftliche Dokumentation und Methodik) durchgeführt. Unter anderem habe ich das Zertifikat zur Eden®-Ausgebildeten erworben. Der Schwerpunkt der Eden-Philosophie liegt darin, der Einsamkeit, Hilflosigkeit und Langeweile, welche einen Großteil des Leidens alter Menschen darstellen, entgegenzuwirken.

Um bessere Einblicke in das Gesundheits- und Sozialwesen zu bekommen, habe ich im Krankenhaus, in der Ärztekammer, in med. diag. Laboratorien und Seniorenpflegeresidenzen gearbeitet. Im Rahmen meines Diplomstudiums der Pflegewissenschaft konnte ich mir das Wissen zur Gelotologie (Lachforschung) erwerben und wissenschaftlich zu meinem gewählten Thema „Heilsames Lachen und Humor in der Geriatrie“ in Zusammenarbeit mit den CliniClowns arbeiten. Die Geri-Clowns in der Schweiz, welche in den Alteneinrichtungen vor Ort Lachen verbreiteten, erweckten ebenso mein Interesse. Im Zuge dessen konnte ich eine Vielzahl an Alten- und Pflegeheimen in der Schweiz besuchen. Darauffolgend habe ich mir den Wunsch erfüllt, einige Alten- und Pflegeheime in Deutschland und Österreich kennenzulernen, um zu erfahren, wie sich das Leben und Wohnen der alten Menschen an diesen Orten präsentiert. Dabei habe ich unterschiedlichste Einrichtungen, vom multikulturellen Haus bis hin zu Demenzstationen in Pflegeinrichtungen, aufgesucht.

Beim Weltkongress der Heimleiter im Jahre 2007 hatte ich den deutschen Architekten Eckhard Feddersen kennengelernt. Es ergab sich durch ein Gespräch, dass ich einen Beitrag mit dem Titel „Entwurfsatlas Wohnen im Alter“ in ein Buch einbringen konnte, an dem er gerade arbeitete.

Was hat Sie dazu gebracht, sich für diese Aufgabe zu bewerben? Was motiviert Sie, diese Verantwortung zu übernehmen?

Das Haus Stefanie ist in der idyllischen Landschaft des Semmerings eingebettet, welche mir seit meiner Kindheit und Jugendzeit gut in Erinnerung blieb.

Ein Grund, warum ich mich für diese Aufgabe beworben habe, besteht darin, dass ich selbst schon im Haus Stefanie einige Zeit verbringen konnte, entweder durch den Aufenthalt mit dem Österreichchor oder mit meinen Eltern an Wochenenden vor über 30 Jahren.

Wie in meinem bis jetzt 36-jährigen Berufsleben will ich weiterhin Herausforderungen annehmen. Mir ist bewusst, dass diese Aufgabe nicht immer leicht sein wird. Da ich gerne arbeite, steht meine Freude, die ich auch in meine tägliche Arbeit integriere, immer im Vordergrund.

Mich reizen neue Herausforderungen und ebenso die Aufgabe, neue Ideen einbringen zu können und Konzepte zu entwickeln, um die Wohn- und Lebenssituation der Bewohner im Haus Stefanie in weiterhin positivem und gleichzeitig neuem Licht zu sehen.

Wichtig ist mir auch, den Lebensabschnitt eines Menschen im Alter so gestaltet zu sehen, dass er sich einerseits wohlfühlt und andererseits sein Recht auf einen würdigen Lebensabend erfahren darf. Das selbstbestimmte Leben der Bewohner im Haus Stefanie ist ein Garant, der bewirkt, dass die Bewohner viel länger im Haus Stefanie verweilen als die durchschnittliche Statistik herkömmlicher Alteneinrichtungen zeigt.

Mich motiviert die Überschaubarkeit des Hauses. Gerade in kleinen Häusern sehe ich mehr Potential für die Lebenszufriedenheit und ein sinnerfülltes Leben der Bewohner gegenüber den Alten- und Pflegeheimen mit über 300 Plätzen.

Auch wenn ich selbst konfessionslos bin, aber doch seit meiner Kindheit das Leben der Adventisten kenne, bin ich überzeugt, für die Menschen das Beste geben zu können.

Worin bestehen aus Ihrer Sicht die größten Stärken des "Haus Stefanie"? Was unterscheidet das "Haus Stefanie" von anderen öffentlichen wie privaten Pensionisten- und Pflegeeinrichtungen?

Die Stärke sehe ich darin, dass sich Menschen nicht erst im hochrangigen Alter dazu entschließen, in das Haus Stefanie zu kommen, oder weil es nicht mehr anders geht.

Generell kommen die Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen deutlich später als früher, weil die Parole „ambulant vor stationär“ gilt. Dadurch sind sie kränker und pflegebedürftiger. Der Einzug kommt oft plötzlich und ist keine bewusst getroffene Entscheidung mehr.

Ein weiterer Aspekt ist die Überschaubarkeit des Hauses, die Platz für familiäre Strukturen gibt und das Gefühl vermitteln kann, inmitten einer großen Familie eingebettet zu sein.

Durch die Andachten und Predigten werden Strukturen bzw. Tagesstrukturen geschaffen, die den Bewohnern positive Motivationsanlässe, Orientierungsfähigkeit und emotional Stabilität geben. Die praktizierende christliche Nächstenliebe bewirkt, dass Sterbende in der letzten Phase ihres Lebens eine hohe Wertschätzung verspüren dürfen.

Die Pflege und Betreuung der Bewohner orientiert sich an diesem Grundsatz. Dabei steht die Würde des Menschen an erster Stelle. So wird den Bewohnern ein hohes Maß an Selbständigkeit ermöglicht.

Was sind zurzeit die wesentlichen Herausforderungen für die Weiterentwicklung dieser Institution?

Dass die Umbauarbeiten zügig fertiggestellt werden, damit Ruhe einkehren kann und die komplette Belegschaft an einem Strang zieht und mich als Leitung anerkennt. Andererseits wünsche ich mir, dass sie meinen Ideen und Anforderungen wohlwollend gegenüber stehen.

Das Potential ist da und wird derzeit durch den Umbau geschaffen. Die Einrichtung soll sowohl attraktiv für die Bewohner als auch für die Mitarbeiter gestaltet werden. Gleichzeitig besteht zudem die Herausforderung, finanziell über die Runden zu kommen. Der erste große Schritt durch den Entschluss des Umbaus ist somit getan.

Der zweite Schritt besteht darin, dass das Land Niederösterreich bereits darüber informiert ist, dass an geförderten Betten im Haus Stefanie Bedarf besteht, so dass auch Interessenten in das Haus Stefanie kommen können, welche einen geringeren Pensionsbezug haben. Dahinter steckt eine große Bürokratie, die gemeistert werden möge und sicherlich noch einiges an Einsatz bedarf.

Ebenso ist es wichtig, dass das Netzwerk durch weitere externe Kunden/Partner ausgeweitet wird. Es ist so zu wirtschaften, dass das Haus auch in Zukunft in dem neuen Glanz, der durch den Umbau bewirkt wird, erstrahlen kann. Wirtschaftliche Stabilität steht somit an hoher Stelle.

Gleichsam wird großer Wert auf die Beachtung und Berücksichtigung der Bewohnerzufriedenheit gelegt. Die Integration der Angehörigen ist ebenso ein wichtiger Teil der Lebenswelt der Bewohner, der nicht aus dem Auge verloren werden darf.

Sie waren während der letzten Monate jeweils nur einen Tag pro Woche vor Ort. Seit Oktober sind Sie nun vollzeitlich im Einsatz. Welche Ziele haben Sie sich für das erste Jahr gesteckt? Gibt es darüber hinaus schon eine Perspektive, die Sie mit uns teilen können?

Nicht nur hohe Qualität ist mir sehr wichtig, sondern auch die gesetzlichen Anforderungen sollen eingehalten werden. Zudem will ich das "Haus Stefanie" mit einer guten Auslastung sehen.

Urlaubsbetreuung/-pflege ist ebenso ein Thema, welches zur Entlastung bzw. Auszeit für pflegende Angehörige angeboten werden soll. Die Dokumentationsanforderungen, die kulinarische und pflegerische Versorgung der Bewohner haben für mich einen hohen Stellenwert. Die Qualität der angebotenen Leistungen soll sich erhöhen – so sind regelmäßige Fortbildungen der Mitarbeiter ein Garant für eine hohe Lebenszufriedenheit der Bewohner im Haus Stefanie.

Ein weiteres Ziel ist, Anreize zu schaffen, wie gemeinsames Singen, Musizieren, Besuch von Kindern (von Schulen und Kindergärten), Garten- und Tiertherapie.

Neben der Möglichkeit der individuellen Beschäftigung sollen weiterhin abwechslungsreiche Aktivitäten beibehalten und weiterentwickelt werden, wie Handarbeiten und Musizieren, um einiges zu nennen.

Vielen Menschen bringt das Leben in der Gemeinschaft das Gefühl von Geborgenheit, welche das Haus Stefanie den Bewohnern weiterhin geben soll.

Es erfolgt geistige Anregung, Erinnerungen werden ausgetauscht, die Wahrnehmung wird geschärft, das Gedächtnis trainiert und neben den alltäglichen Dingen soll vor allem Raum für gemeinsame Gespräche und Geselligkeit bestehen.

Derzeit findet ein teilweiser Umbau von zwei Stockwerken statt. Können Sie uns zum Stand dieser Arbeiten und zur geplanten Fertigstellung schon etwas verraten? Wie wird sich diese Investition für die Bewohner auswirken?

Wie bekannt, braucht alles seine Zeit. Lärm und Staub gehören zu jeder Baustelle. Der Umbau ist mit dem Terminkalender konform. Wenn sich keine außernatürlichen Herausforderungen in der Bauphase ergeben sollten, dann ist der Umbau mit Ende dieses Jahres abgeschlossen.

Es entstehen moderne, freundliche und barrierefreie Ein- und Zweibettzimmer. Die Zimmer werden mit neuen Möbeln ausgestattet, sodass Komfort und Gemütlichkeit gegeben sind.

Auf welche Weise können alle, die sich für sich selbst oder für ihre Angehörigen für die Angebote des Hauses interessieren, nähere Informationen erhalten?

Interessenten und Angehörige können über die genannten Daten Kontakt aufnehmen.

Nach dem Umbau wird es „Tage der offenen Tür“ geben. Die Termine (zwei bis drei) werden rechtzeitig bekannt gegeben. Derzeit wird eine Homepage für das Haus Stefanie erstellt und nach dem Umbau wird es eine Auflage von Broschüren geben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen wurden gestellt von Christian Grassl.